Darm & Verdauung

Reizdarmsyndrom: Oft nicht erkannt oder falsch behandelt

Annette Karmann ·

aktualisiert am 30. Oktober 2026

Reizdarmsyndrom mit Bauchschmerzen

Was sind die Symptome beim Reizdarmsyndrom?

Das Reizdarmsyndrom ist als eigenständige Erkrankung noch nicht lange bekannt. Deshalb hat man sich auch erst nach und nach auf eine Definition der Symptome festgelegt.

Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und die Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) haben sich dazu auf folgende gemeinsame Leitlinie geeinigt:

„Die Krankheit des Reizdarmsyndroms (RDS; Irritable Bowel Syndrome/IBS) liegt vor, wenn alle 3 Punkte erfüllt sind.

  • Es bestehen chronische, das heißt länger als 3 Monate anhaltende Beschwerden (zum Beispiel Bauchschmerzen, Blähungen), die von Patient und Arzt auf den Darm bezogen werden und in der Regel mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen.
  • Die Beschwerden sollen begründen, dass der Patient deswegen Hilfe sucht und/oder sich sorgt und so stark sein, dass die Lebensqualität hierdurch relevant beeinträchtigt wird.
  • Voraussetzung ist, dass keine für andere Krankheitsbilder charakteristischen Veränderungen vorliegen, welche wahrscheinlich für diese Symptome verantwortlich sind.“

Zu den Beschwerden zählen Blähungen, Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall und Bauchkrämpfe. Andere Krankheitsbilder können zum Beispiel Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und ähnliche Darmerkrankungen sein. Was bei akutem Durchfall hilft, liest du im Artikel Die 7 besten Hausmittel gegen akuten Durchfall.

Wie häufig ist das Reizdarmsyndrom in Deutschland?

Laut Arztreport der Barmer lag die belegte Erkrankungsrate 2017 bei 1,34 %, das entspricht 1,11 Millionen Menschen. Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer. 2005 lag die Rate noch bei 1,03 %.

Die Dunkelziffer liegt laut Barmer aber deutlich höher. Sie geht von mehr als 10 Millionen Betroffenen aus.

Behandlung des Reizdarmsyndroms

Laut Prof. Dr. Joachim Szecsenyi sollte man dabei einen ganzheitlichen Blick auf Körper und Geist richten. Ausschließlich Medikamente zu verabreichen, sei falsch. Fast 40 % der Betroffenen bekommen Magensäureblocker. Auch opioidhaltige Schmerzmittel werden häufig verordnet. Hier ist das Risiko einer Abhängigkeit aber unverhältnismäßig hoch.

Internisten und Hausärzte sollten laut Szecsenyi enger mit Ernährungsexperten und Schmerztherapeuten zusammenarbeiten. Auch der psychische Aspekt der Erkrankung gehört in die Behandlung. Wie eng Darm und Psyche verbunden sind, erfährst du im Webinar Darm-Hirn-Achse.

Häufig vergehen viele Jahre, bis der Arzt die Erkrankung überhaupt diagnostiziert. Da Betroffene oft schon einige Zeit leiden, bevor sie mit ihren Beschwerden zum Arzt gehen, kann man sich den langen Leidensweg vorstellen.

Man kann diesen Bericht aber auch kritisch sehen. Die Symptome des Reizdarmsyndroms sind oft sehr diffus und lassen sich nicht nach einem Termin einordnen. Ärzte gehen deshalb oft und nachvollziehbar nach dem Ausschlussprinzip vor. Entsprechend individuell ist auch die Behandlung. Warum es sich lohnt, bei Verdauungsbeschwerden nach den Ursachen zu suchen, zeigt das Webinar Verdauungsprobleme: Warum Symptome bekämpfen oft zu kurz greift.

Quellen:

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