Hinweis: Dieser Artikel stammt vom 21. Februar 2021 und gibt den damaligen Wissensstand zum Coronavirus wieder.
Inzwischen gibt es einige Impfstoffe, die in verschiedenen Ländern zugelassen worden sind: Sputnik V aus Russland oder Sinopharm, Sinovac und CanSinoBIO aus China. In Europa sind bisher die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca zugelassen. Die Zulassungen von CureVac und Johnson & Johnson (Janssen) sind bereits beantragt. Nun werden Stimmen lauter, dass viele das Präparat von AstraZeneca nicht wollen. Aber warum?
Die Wirkweise der verschiedenen Impfstoffe
Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. Die mRNA ist eine Art Bauanleitung, eine Abschrift eines Abschnitts der Erbinformation des Coronavirus SARS-CoV-2. Sie gelangt in Körperzellen, die dann genau diesen Teil des Coronavirus nachbauen. Im Idealfall greift der Körper diese Teilchen an, sodass die Person anschließend Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet hat und immun ist.
Ein mRNA-Impfstoff ist etwas relativ Neues und Modernes. Da man noch kaum Erfahrung und schon gar keine Langzeiterfahrung damit hat, sind viele Menschen skeptisch.
Die Lagerung dieser Impfstoffe ist aufwendig, denn sie brauchen keinen normalen Kühlschrank, sondern ein Gerät, das auf −70 °C kühlt. Die Kosten liegen bei 12 bis 15 € pro Impfstoffdosis.
Der Impfstoff von AstraZeneca ist ein sogenannter Vektorimpfstoff. Dafür wurde ein abgeschwächtes Erkältungsvirus von Schimpansen so verändert, dass es die Bauanleitung für einen Teil des Coronavirus (das Spike-Protein) in die Körperzellen bringt. Die Zellen stellen dieses Eiweiß her, das Immunsystem greift es an und bildet Antikörper, die dann auch vor der Erkrankung COVID-19 schützen sollen.
Vorteil dieses Impfstoffs ist, dass die Lagerung deutlich einfacher ist: Kühlschranktemperaturen reichen aus. Außerdem ist dieses Vakzin deutlich günstiger: unter 2 € pro Dosis.
Die sogenannten Nachteile des Impfstoffs von AstraZeneca
Zunächst einmal klingt der Impfstoff von AstraZeneca eher vorteilhaft: günstiger und leichter zu handhaben. Warum also möchte ihn niemand haben?
Das liegt zum einen an der geringeren Wirksamkeit. Die Vakzine von Moderna und Biontech/Pfizer erreichen eine Wirksamkeit von 94 bis 95 %. Das bedeutet, dass unter den Geimpften 94 bis 95 % weniger Erkrankungen auftraten. Der Impfstoff von AstraZeneca bringt es dagegen „nur“ auf ca. 70 % bzw. sogar nur knapp 63 %. Er soll vor schweren Verläufen schützen, aber weniger vor mittleren bis leichten Verläufen. Damit kann eine Ansteckung durch Geimpfte nicht ausgeschlossen werden. Das wiederum würde eine Bevorzugung von Geimpften bei Konzerten, in Restaurants oder bei Flugreisen hinfällig machen.
Der Infektiologe Prof. Dr. med. Matthias Schrappe findet es allerdings passender, diese Zahlen ins Verhältnis zu setzen. Er sagt, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer „das Risiko einer Erkrankung im Verhältnis 1:20 vermindert. In der Impfstoffgruppe erkrankten acht Probanden, in der Placebo-Gruppe 162. Beim Astrazeneca-Impfstoff liegt dieses Verhältnis nur bei 1:3. In der Impfstoff-Gruppe erkrankten 27 Menschen, mit Placebo 71.“
So wird klarer, wie viel schwächer die Wirkung der Impfstoffe insgesamt und des Vakzins von AstraZeneca im Speziellen ist.
Zusätzlich empfahl die Ständige Impfkommission das Präparat von AstraZeneca in Deutschland zunächst nur für Menschen unter 65 Jahren. Für ältere Menschen lagen zu wenige Studiendaten vor, um eine sichere Aussage treffen zu können.
Außerdem soll es nicht vor der südafrikanischen Variante des Coronavirus schützen. An einer Anpassung des Vakzins an die britische Virusvariante wird derzeit gearbeitet. Mehr zu den Varianten liest du im Artikel Mutationen von SARS-CoV-2.
Fazit
Insgesamt scheint es verständlich, dass Menschen lieber ein wirksameres Produkt gespritzt bekommen möchten als etwas, das nur zu 70 % bzw. im Verhältnis 1:3 schützt. Vor allem, weil die Nebenwirkungen keineswegs schwächer sind. Man kauft bei Migräne ja auch kein schwach wirksames Kopfschmerzmittel, wenn man weiß, dass das stärkere besser hilft und dieselben Nebenwirkungen zu erwarten sind.
Allerdings ist das „kein Wunschkonzert“, wie die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) kürzlich sagte: Man kann sich nicht aussuchen, mit welchem Vakzin man geimpft wird.
Quellen: