Ernährung & Lebensstil

Mehr Sprechstunden am Abend gefordert

Annette Karmann ·

aktualisiert am 29. Oktober 2026

Sprechstunden bei einer Ärztin

Der GKV-Spitzenverband fordert mehr Sprechstunden

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen fordert von niedergelassenen Ärzten, mehr Sprechstunden nach 18 Uhr und an Wochenenden anzubieten. Die Ärzteschaft reagiert mehr als irritiert.

Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, meint: „Denn Krankheiten richten sich nicht nach den Lieblingsöffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte.“ Er folgert daraus, dass Patienten immer häufiger gezwungen sind, in die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu gehen, weil keine Praxis mehr geöffnet hat.

Laut einer Forsa-Umfrage, die der GKV-Spitzenverband im Spätsommer in Auftrag gegeben hat, öffnet am Mittwochnachmittag nur ein Fünftel der Arztpraxen. Am Freitagnachmittag sind es sogar noch weniger. Montags, dienstags und donnerstags bietet etwas mehr als die Hälfte der befragten Praxen auch nach 18 Uhr noch Sprechstunden an. Nach 19 Uhr sind es nur noch 10 %.

Ein weiterer Kritikpunkt von Stackelbergs ist die Mindestzahl von derzeit 20 Sprechstunden. Wenn Arztpraxen tatsächlich nur diese 20 Stunden anböten, dürften sie in dieser Zeit zumindest keine Privatpatienten behandeln. „Für private Zusatzgeschäfte müssen zusätzliche Termine und Sprechstunden angeboten werden.“ In der Umfrage hatten 99 % der Ärzte angegeben, in den Sprechzeiten auch privat versicherte Patienten zu versorgen.

Außerdem kritisiert der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, dass es häufig nur in der Theorie ausreichend Ärzte gibt. Wenn diese Ärzte aber operieren und deshalb keine Zeit mehr für ihre Sprechstunden haben, wird es in der Praxis natürlich knapp. Deshalb soll es künftig eine bessere Organisation und Planung zwischen Krankenkassen und Ärzten geben.

Reaktion der KBV

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) kritisiert von Stackelbergs Äußerungen aufs Schärfste und bezeichnet die Studie sogar als Fake News: „Die Aussagen des GKV-Spitzenverbands sind ein Schlag ins Gesicht der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen und zeugen von der Ferne von Krankenkassenfunktionären zur Versorgung von Patienten.“

Die durchschnittliche Arbeitszeit liege keineswegs bei 29 Stunden, sondern bei 52 Wochenstunden. Darüber hinaus verweigerten die Krankenkassen eine entsprechende Finanzierung und vergüteten 15 % der Leistungen nicht.

Wie eine Apothekerin die Lage im Gesundheitswesen sieht, liest du im Interview Die Apotheke vor Ort. Ein Auslaufmodell?

Quellen: Pressemitteilung des GKV-Spitzenverbandes (2018), Pressemitteilung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (2018)

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