Er befindet sich im Zentrum unseres Körpers. Kilometerlange Äderchen und Nervenleitungen umgeben ihn. Er hat eine direkte Verbindung zum Gehirn und kann deshalb auch unser Wohlbefinden beeinflussen: unser Darm!
Jedoch: Wir werden meist nur dann auf ihn aufmerksam, wenn er Probleme macht. Durchfall, Verstopfung und Blähungen kennt jeder als Anzeichen eines gereizten Darms. Aber wie sieht es mit Müdigkeit, unreiner Haut oder Kopfschmerzen aus? Das sind Symptome, bei denen man nicht zuerst an den Darm denkt. Deshalb lohnt es sich, ihn genauer unter die Lupe zu nehmen, um zu verstehen, was er genau macht und warum so viel von ihm abhängt.
Wofür ist der Darm eigentlich da?
Hier muss man Dünndarm und Dickdarm unterscheiden.
Eine Hauptaufgabe des Dünndarms ist es, den noch flüssigen Nahrungsbrei immer wieder zu vermischen. Das macht er, indem er sich in eine bestimmte Richtung zusammenzieht und wieder lockerlässt.
Außerdem lässt er Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe durch seine Schleimhaut in die Blut- und Lymphbahn gelangen. Damit das möglichst effizient klappt, ist seine Oberfläche viel größer, als man denken könnte. Lange ging man bei einer Länge von 4 bis 6 Metern von 200 bis 400 Quadratmetern aus, so viel wie ein Tennisplatz. Neuere Messungen kommen auf rund 30 Quadratmeter, immer noch so viel wie eine kleine Wohnung! Das liegt an den sogenannten Zotten. Du kannst sie dir wie Falten in der Schleimhaut vorstellen, auf denen wiederum unzählige kleine Ausstülpungen sitzen. Sie sind sehr stark durchblutet, damit die Nährstoffe schnell an die richtige Stelle im Körper gelangen. Aber auch sehr viele Nerven verlaufen in der Darmschleimhaut, was den Darm anfällig für Stress macht. Deshalb nennt man ihn auch liebevoll das „zweite Gehirn“. Mehr dazu erfährst du im Webinar Darm-Hirn-Achse.
Ein Teil der Verdauung ist in Mund und Magen bereits erledigt. Im Dünndarm kommen noch Verdauungssäfte der Bauchspeicheldrüse und der Galle hinzu, die Fette und Kohlenhydrate weiter zerkleinern. Denn nur in ihren kleinsten Bestandteilen kann die Darmschleimhaut sie aufnehmen.
Und das ist besonders spannend! Dazu bilden sich zwischen den einzelnen Zellen der Darmschleimhaut kontrolliert kleine Lücken. Sie sind gerade so groß, dass nur die kleinsten Teilchen hindurchpassen. Hier werden Mineralien, Vitamine und weitere Nährstoffe durchgeleitet, bis sie mit dem Blut oder der Lymphe weitertransportiert werden. Werden diese Lücken zu groß, spricht man vom Leaky-Gut-Syndrom.
Und was macht dann der Dickdarm noch?
Der Dickdarm hat letztlich nur noch die Aufgabe, den Nahrungsbrei einzudicken, ihm also Wasser zu entziehen. Außerdem überzieht er den Stuhl mit Schleim, damit er besser weiterrutscht. Giulia Enders beschreibt anschaulich, dass es ein gesundes Zeichen ist, wenn Stuhl so glitschig wie eine Nacktschnecke ist.
Im Dickdarm befinden sich die meisten Darmbakterien, das sogenannte Mikrobiom. Dabei gibt es gute und weniger gute Bakterienstämme. Diese Darmbakterien leben von dem, was der menschliche Körper nicht verdauen kann, hauptsächlich von Ballaststoffen. Im Gegenzug hat auch unser Körper etwas davon, dass er die Bakterien ernährt: Was die Bakterien ausscheiden, kann die Darmzellen schützen, insbesondere die Darmschleimhaut. Es wirkt sich außerdem positiv auf unser Immun- und Nervensystem aus. Mehr über das Mikrobiom liest du im Artikel Darmflora: Was die Forschung Neues herausgefunden hat.
Ein kleiner Nebeneffekt dieses Zusammenlebens ist Gasbildung. Fehlt sie, stimmt etwas nicht. Ist sie zu stark, ist ebenfalls etwas durcheinander. Als normal gilt, wenn man 8 bis 15 Mal am Tag Winde lässt. Wenn du viel Rohkost isst oder kohlensäurehaltige Getränke trinkst, kann es auch öfter sein. Tipps gegen Blähungen findest du im Artikel Wie Bohnen weniger Tönchen geben.
Wie kannst du deinen Darm unterstützen?
Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen. Dadurch wird die Stuhlmenge erhöht und der Darm massiert und besser durchblutet. Außerdem förderst du damit die guten Darmbakterien und verdrängst die weniger guten.
Gründliches Kauen ist generell wichtig für die Verdauung. Der Speichel verdaut dann mehr Kohlenhydrate, und Magen und Darm werden entlastet.
Achte auf Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe, Aromen und Geschmacksverstärker und auf mögliche Belastungen der Nahrung mit Schwermetallen und Giftstoffen. Sie können das Mikrobiom durcheinanderbringen und die Schleimhaut des Dünndarms angreifen. Wasch Obst und Gemüse also immer gründlich ab.
Leider kann man nicht immer wissen, was im Essen steckt. Vor allem, wenn du auswärts isst, kennst du die Bedingungen von Anbau und Aufzucht nicht. Möglicherweise nimmst du dann unbewusst schädigende Stoffe auf.
Um bei einer Reizung den Darm zu beruhigen oder vorbeugend die Darmwandbarriere zu stärken, sind Produkte mit Zeolith geeignet, da sie Reiz- und Schadstoffe binden und den Darm entlasten.
Buchtipp: Giulia Enders: Darm mit Charme – Alles über ein unterschätztes Organ