Hinweis: Dieser Artikel stammt vom 19. November 2020 und gibt den damaligen Wissensstand zum Coronavirus wieder. Aktuelle Informationen findest du beim Robert Koch-Institut.
Die Dramatik in den Aussagen von Politikern, Medien und so manchem Virologen kann eigentlich kaum noch übertroffen werden. Seit März werden wir durchgängig mit fast panisch anmutenden Überschriften und Parolen in Angst und Schrecken versetzt. Immer wieder nennen Medien und Politik die angebliche Anzahl Infizierter (treffender wäre „positiv Getestete“), am Anfang die aufsummierte, inzwischen die tägliche Anzahl. Im Artikel zur Positivenquote haben wir darüber berichtet, welche Zahl wirklich wichtig wäre, wenn die Tests denn auch zuverlässig wären. Auch die Sterblichkeit bzw. Übersterblichkeit war mal ein Thema, zuletzt aber immer seltener. Warum eigentlich?
Wie hoch ist die Sterblichkeit beim neuen Coronavirus?
Anfang des Jahres waren die Prognosen noch sehr durchwachsen, da man das Virus noch nicht kannte und einschätzen konnte. So gab es Schätzungen, die bei 10 % der Erkrankten lagen, wie damals beim SARS-Virus 2002/03.
Prof. John P. A. Ioannidis ist Professor für Medizin sowie für Epidemiologie und Bevölkerungsgesundheit an der Stanford University School of Medicine, einer sehr renommierten Universität auf Augenhöhe mit Harvard und Oxford. Ioannidis veröffentlichte 2005 die Arbeit „Warum die meisten veröffentlichten Forschungsergebnisse falsch sind“ und zählt zu den meistzitierten Forschern. Daher ist seine aktuelle Arbeit umso interessanter und ernst zu nehmen.
Schon im März veröffentlichte Ioannidis einen Aufsatz, in dem er die Maßnahmen, die ohne jede Datenbasis durchgeführt wurden, kritisierte und die Politik zu vorausschauenden statt kurzfristigen Entscheidungen aufrief. Dafür hat er viel Kritik bekommen.
Ergebnisse der Studie zur Sterblichkeit
Nun die Signalwirkung: Die WHO veröffentlichte seine zusammenfassende Studie über die Sterberate von SARS-CoV-2. Dazu bezog er insgesamt 61 Studien und 8 Schätzungen aus verschiedenen Ländern ein, aus Deutschland auch die Heinsberg-Studie von Prof. Dr. Hendrik Streeck. In der deutschen Studie lag die Sterblichkeit übrigens bei 0,37 % aller Infizierten.
Er fand heraus, dass sich die Sterblichkeitsrate zwischen 0 % und 1,54 % bewegt. Der Mittelwert (Median) betrug 0,27 %, liegt also niedriger als in der Heinsberg-Studie.
In seiner Studie unterschied er aber auch zwischen den Altersgruppen. Interessant und wichtig sind seine Ergebnisse für die Altersgruppe unter 70 Jahren: Die Sterberate liegt in dieser Gruppe bei 0,05 %. Von 10.000 Infizierten sterben also 5 Personen.
In Ländern wie Deutschland, in denen die Gruppe der über 70-Jährigen mit 16 % recht groß ist, müsste die Sterberate insgesamt also höher liegen als in Ländern mit einer überwiegend jungen Bevölkerung.
Den Verlauf von Erkrankungen beeinflussen aber noch weitere Faktoren: Erreichbarkeit von Ärzten und Krankenhäusern, medikamentöse Versorgung, Krankenversicherung etc.
Nicht zu unterschätzen ist aber auch ein gesundes Immunsystem! Es profitiert von Bewegung an der frischen Luft und einer gesunden, ausgewogenen Ernährung, eventuell ergänzt durch Vitamin C und Vitamin D, vor allem in der dunklen Jahreszeit. Möglichst wenig Stress, der vor allem bei älteren und jüngeren Menschen auch durch Absonderung entsteht, ist ebenfalls eine gute Voraussetzung für starke Abwehrkräfte.
Quellen: