Ist die „Positivenquote“ wirklich so unbedeutend?

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Positivenquote
Ralf Geithe, Adobe Stock
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Von der Regierung und vielen anderen Stellen werden immer wieder andere Zahlen, Prozentsätze und Relationen bei der Bewertung der Pandemie-Lage zurate gezogen. Eine davon ist die so genannte Positivenquote. Aber was sagt sie eigentlich aus?

Wo kann ich mich selbst informieren und die Zahlen finden?

Einmal in der Woche veröffentlicht das Robert-Koch-Institut einen Lagebericht zur Coronavirus-Krankheit (COVID-19). Der Link ist unten angegeben. 

Dieser beinhaltet verschiedenste Zahlen, Auswertungen, Bewertungen, Empfehlungen und Relationen. So kann man bereits auf der ersten Seite eine zusammengerechnete Gesamtzahl der bestätigten Fälle in Deutschland bis zum 2.9.2020 finden. Diese Gesamtzahl liegt bei 244.855 positiv getesteten Personen. Davon sind inzwischen ca. 219.100 Personen genesen. 

Außerdem findet man auf der ersten Seite auch die Anzahl der Verstorbenen. Diese liegt am 2.9.2020 bei 9.313 Personen. 

Die Anzahl der aktuell positiv Getesteten muss man selbst berechnen. Man zieht von der Gesamtzahl 244.855 die 219.100 Genesenen und die 9.313 Verstorbenen ab. So erhält man derzeit 16.443 positiv Getestete.

Die Positivenquote

Auf Seite 11 dieses Lageberichts findet man in der Tabelle „Anzahl der SARS-CoV-2-Testungen in Deutschland (Stand 01.09.2020)“, u.a. auch die Positivenquote. Man benötigt sie, um die Anzahl der positiv Getesteten sicherer einordnen zu können. 

Sie verdeutlicht das Verhältnis positiv Getesteter zu allen Getesteten. In der vergangenen Woche also 8.178 Positive auf 1.101.299 Tests. Wenn man dann 8.178 durch 1.101.299 teilt, kommt man auf eine Quote von 0,74 %.

In absoluten Zahlen hat die Zahl der Positiven in den letzten Wochen zugenommen. Stellt man aber die Anzahl der durchgeführten Tests dazu ins Verhältnis, ist die Quote mit einem Wert von 0,74 auf einen der niedrigsten Stände überhaupt gesunken. 

Was bedeutet das Sinken der Positivenquote?

Ein simpler Vergleich dazu: Man schickt 5 Personen los, in einer Woche auf 1 ha alle Regenwürmer zu finden. In der nächsten Woche schickt man dann aber 10 Personen los: Vermutlich werden sie doppelt so viele gefunden haben.

So ist es auch mit den Tests, wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am 14.6.2020 im ARD Hauptstadtstudio selbst ausführt: 

„Sie müssen eins sehen: Dadurch, dass wir toi toi toi die Zahlen so heruntergebracht haben, haben wir im Moment eine Positiv-Testung von unter 1 % (Anm. Redaktion: Dies ist die Positivenquote) – bei gleich bleibend konstanter Testzahl in den letzten Wochen. Und wir müssen jetzt aufpassen, dass wir nicht nachher durch zu umfangreiches Testen – klingt jetzt total… muss erstmal einer um zwei Ecken denken – durch zu umfangreiches Testen zu viele falsch Positive haben, weil die Tests ja nicht 100% genau sind, sondern auch eine kleine, aber eben auch eine Fehlerquote haben.“

Herr Spahn bestätigt also, dass es eine gute und wichtige Entwicklung ist, dass die Positivenquote unter 1 % lag. Dies ist auch derzeit der Fall, sogar bereits seit Anfang Juni mit einem Ausreißer. 

Und ein weiterer Satz: „Und wenn dann insgesamt das Infektionsgeschehen immer weiter runtergeht, und Sie gleichzeitig das Testen auf Millionen ausweiten, dann haben Sie auf einmal viel mehr falsch Positive als tatsächlich Positive.“

Schaut man sich die Testanzahl der vergangenen Woche an: Sie liegt über einer Million. 

Quellen:

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Sept_2020/2020-09-02-de.pdf?__blob=publicationFile&fbclid=IwAR18muAC6NZ3-VU2DG2fSOPxWpAhiGay5wmLioaX72xurj8xPaNUvfYkIMg