Hinweis: Dieser Artikel stammt vom 27. Februar 2021 und gibt den damaligen Wissensstand zum Coronavirus wieder.
Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, berichten von unterschiedlichen Symptomen und Schweregraden. Das Virus wurde in verschiedenen Organen nachgewiesen, auch im Magen-Darm-Trakt. Da wundert es nicht, dass auch Durchfall und Übelkeit als Symptome gelten. Deshalb hat der südkoreanische Mikrobiologe Heenam Stanley Kim untersucht, inwiefern ein Leaky-Gut-Syndrom mit einem schweren Verlauf von COVID-19 zusammenhängt.
Was ist ein Leaky-Gut-Syndrom?
Bei einem Leaky-Gut-Syndrom ist die Darmwand nicht mehr „dicht“. Das ist allerdings eine sehr ungenaue Erklärung, denn sie darf auch nicht völlig dicht sein: Wasser und Nährstoffe müssen natürlich hindurchgelangen. Ist die Darmschleimhaut aber wirklich durchlässig, lässt sie auch Stoffe hindurch, die eigentlich zu groß sind und unserem Körper schaden können. Das können Viren und Bakterien sein. Aber auch größere, eigentlich harmlose Bestandteile unserer Nahrung, die unser Körper in dieser Form nicht kennt, können eine Immunreaktion auslösen. Hält dieser Zustand länger an, kann das unser Immunsystem schwächen. Mehr dazu erfährst du im Webinar Leaky-Gut-Syndrom.
Was hat die Studie untersucht?
Studienleiter Kim wollte herausfinden, ob ein Leaky Gut den Schweregrad von COVID-19 verschlimmern kann, indem es dem Virus Zugang zur Oberfläche des Verdauungstrakts und zu den inneren Organen verschafft. Einige Forscher seien der Meinung gewesen, sagte er, dass ein ungesundes Darmmikrobiom ein Grund dafür sein könne, warum manche Menschen so schwere Infektionen haben. Darüber haben wir auch im Artikel Verursacht Corona eine Störung der Darmflora? berichtet. Kim sammelte für seine Studie Daten aus verschiedenen Studien und wertete sie aus. Diese hatten teilweise bereits gezeigt, dass viele COVID-19-Patienten eine veränderte Darmflora hatten. Kim sagte, er habe mit der Analyse begonnen, nachdem ihm aufgefallen war, dass wohlhabende Länder mit guter medizinischer Infrastruktur, darunter die Vereinigten Staaten und westeuropäische Länder, zu den am stärksten vom Virus betroffenen gehören.
Was die Studie über Leaky Gut und COVID-19 herausfand
Der Mikrobiologe fand tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Studienergebnissen. Denn in allen Studien zeigte sich übereinstimmend, dass die gesundheitsförderlichen Bakterienstämme bei COVID-Erkrankten deutlich verringert waren. Gleichzeitig waren schädliche Bakterienstämme vermehrt vorhanden.
Kim betont, dass die Darmgesundheit eines Menschen zum Zeitpunkt der Infektion entscheidend für die Entwicklung der Symptome sein kann. Er weist auf die besondere Problematik in westlichen Ländern hin. Die dort übliche „westliche Ernährung“ ist ballaststoffarm, und „eine faserarme Ernährung ist eine der Hauptursachen für veränderte Darmmikrobiome“, sagte er, „und eine solche Darmmikrobiom-Dysbiose führt zu chronischen Krankheiten“.
Aber nicht nur ballaststoffarme Kost kann ein Leaky Gut verursachen und damit zu einem schwereren Verlauf von COVID-19 führen: Auch künstliche Zusatzstoffe wie Emulgatoren, Konservierungsstoffe, Süßstoffe und Co. machen unserem Darm das Leben schwer.
Mehr über unser Immunsystem im Darm liest du im Artikel Warum man sagt, dass das Immunsystem im Darm sitzt. Und wie du es stärken kannst, haben wir im Artikel Wie du die Abwehrkräfte im Darm stärkst für dich zusammengetragen.
Interessant: Bisher galt das Leaky-Gut-Syndrom unter Medizinern als äußerst umstrittene Diagnose. Dass nun ein Mikrobiologe darüber eine Studie verfasst, ist ein interessantes Signal!
Quellen: