Lachen ist die beste Medizin – aber warum eigentlich?

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Lachen
Jorge Alejandro, Adobe Stock
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Man liest und hört häufig, …

dass Lachen die beste Medizin ist. Aber es gibt auch noch viele andere Zitate, die mehr sind als nur Sprichwörter:

  • “Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.” – Charlie Chaplin
  • „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“ – Joachim Ringelnatz
  • “Wer lachen kann, dort wo er hätte heulen können, bekommt wieder Lust zum Leben.” – Werner Finck
  • “Lachen ist eine körperliche Übung von großem Wert für die Gesundheit.” –Aristoteles

Anlässlich des heutigen Rosenmontags und des vielen Lachens in der närrischen Zeit kam dann die Frage auf: Welchen Hintergrund haben diese Aussagen?

Spannende Erkenntnisse über das Lachen

Schon im Alter von einem Monat lächeln Säuglinge, wenn sie satt sind, schlafen oder etwas sehen, das sie interessiert. Etwas später kommt ein breiteres Lächeln dazu, wenn sie ebenfalls von jemandem angelächelt werden: das soziale Lächeln. Dieses dient dann der Kommunikation. Später kommt das geräuschvolle Kichern dazu, wenn das Baby zum Beispiel gekitzelt wird. Was uns Erwachsene aufrütteln sollte: Kinder lachen am Tag 25mal so häufig wie Erwachsene.

Wenn man sich ansieht, wie viele Muskeln beim Lachen beteiligt sind, kann man nur staunen: Es sind natürlich Muskeln im Gesicht beteiligt: um die Augen und den Mund. Aber auch Zwerchfell, Hals-, Rippen- und Bauchmuskeln spannen sich rhythmisch an. Insgesamt sollen es über 80 Muskeln sein! Wenn man dann noch vor lauter Lachen vom Stuhl fällt, sind vermutlich noch mehr Muskeln beteiligt und vielleicht auch Knochen. (Dieser kleine Scherz sei mir an dieser Stelle hoffentlich erlaubt!)

Auch interessant: Zwischen einem echten und einem aufgesetzten Lächeln können wir recht sicher unterscheiden. Es dauert häufig nur einen Moment, bis wir sicher sind: Das ist echt oder unecht!

Was passiert im Körper, wenn wir etwas komisch finden?

Durch die veränderte Atmung gelangt mehr Sauerstoff in die Lungen und dadurch auch ins Gehirn. Wir können besser denken. 

Wenn wir lachen, schüttet der Körper sowohl Endorphine als auch Wachstumshormone aus. Endorphine sind auch als Glückshormone bekannt, die Depressionen verringern. Wachstumshormone wirken regulierend auf das Immunsystem. Dies ist in der Grippe- und Erkältungszeit natürlich besonders interessant! 

Gleichzeitig reduzieren sie Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin. 

Komik macht sogar high! Wissenschaftler der Universität Stanford fanden heraus, dass Humor das Belohnungszentrum im Gehirn anregt und uns ein Gefühl bereitet, das einem „High“ ähnelt. 

Humor und Resilienz hängen ebenfalls eng zusammen. Resilienz ist die Fähigkeit, mit Rückschlägen umgehen zu können. Resiliente Menschen sehen auch in Rückschlägen Chancen und können ihnen Positives abgewinnen. 

Was bedeutet das für unseren Alltag?

Aus all diesen Gründen ergibt es absolut Sinn, sich dann doch vielleicht eher eine Komödie anzusehen als das nächste Drama oder den nächsten Weltuntergang. 

Eine Konsequenz, die wir auch fest in Deutschland einführen sollten, ist die Stelle des „Klinik-Clowns“. In den USA und Groß-Britannien gibt es sie schon. Sie sollen die Stimmung der Patienten erheitern und sie dadurch von ihrem Leid ablenken. Auch Schmerzen können so ohne Medikamente gelindert werden. Zumindest eine gewisse Zeit Spaß zu haben, kann also vielleicht Wunder wirken. 

Und wenn wir gerade mal nichts zu lachen haben: Laut Vera F. Birkenbihl unterscheidet unser Körper nicht, ob das eigene Lächeln echt ist oder nicht. Es laufen dieselben positiven Prozesse ab, allerdings benötigt er dafür ein bisschen mehr Zeit. Daher empfahl die Psychologin und Motivationstrainerin in ihren Seminaren, in ruhigen Minuten (z.B. im Auto oder am Computer) einfach zu lächeln. Auch wenn es sich zunächst künstlich und eigenartig anfühlt, entspannt man sich.

Wissenschaftliche Studien

Es gibt leider noch nicht viele, großangelegte Studien zum Thema Lachen und die Auswirkungen auf den Körper. In der Vergangenheit hat man sich mehr darauf fokussiert, welche Folgen negative Gefühle haben. Im Rahmen einer präventiven Medizin verändert sich das Interesse aber inzwischen. Eine Übersicht über bisherige Studien zum positiven Effekt von Lachen auf Immunsystem, Allergie, Diabetes, Rheuma, Schmerzen und Herz-Kreislauf finden Sie hier. Lesenswert dazu ist auch das Buch von Barbara Wild (s.u.).

Zum Abschluss…

ein kleiner harmloser Witz:

Auf einer Landstraße gehen zwei Zahnstocher nebeneinander her. Da werden sie von einem Igel überholt. Der eine Zahnstocher ist völlig erstaunt und sagt zum anderen: “Ich wusste ja gar nicht, dass hier ein Bus fährt!”

Quellen:

http://www.3sat.de/page/?source=/nano/natwiss/156918/index.html

https://vera-birkenbihl.de

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychohygiene/lachen.html

https://www.lachverband.org/Wissenschaft.53763.html

https://web.archive.org/web/20130708052923/http://www.the-aps.org/mm/hp/Audiences/Public-Press/For-the-Press/releases/Archive/08/10.html

https://www.planet-wissen.de/video-warum-wir-lachen–100.html

Wild, Barbara (2016): Humor in Psychiatrie und Psychotherapie: Neurobiologie – Methoden – Praxis; Schattauer Verlag

Berk, Laura E. (2011): Entwicklungspsychologie; Hallbergmos