Reizdarmsyndrom: Häufig nicht erkannt oder falsch behandelt

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Reizdarmsyndrom
adiruch na chiangmai, Adobe Stock
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Was sind die Symptome vom Reizdarmsyndrom?

Die Erkrankung „Reizdarmsyndrom“ ist noch nicht lange bekannt. Daher hat man sich auch erst nach und nach auf die Definition von Symptomen festgelegt. 

Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGSV) und die Deutsche Gesellschaft für Neurogastroentereologie (DGNM) haben sich dazu auf folgende gemeinsame Leitlinie geeinigt:

„Die Krankheit des Reizdarmsyndroms (RDS; Irritable Bowel Syndrome/IBS) liegt vor, wenn alle 3 Punkte erfüllt sind. 

  • Es bestehen chronische, das heißt länger als 3 Monate anhaltende Beschwerden (zum Beispiel Bauchschmerzen, Blähungen), die von Patient und Arzt auf den Darm bezogen werden und in der Regel mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen.
  • Die Beschwerden sollen begründen, dass der Patient deswegen Hilfe sucht und/oder sich sorgt und so stark sein, dass die Lebensqualität hierdurch relevant beeinträchtigt wird.
  • Voraussetzung ist, dass keine für andere Krankheitsbilder charakteristischen Veränderungen vorliegen, welche wahrscheinlich für diese Symptome verantwortlich sind.“

Zu den Beschwerden zählen Blähungen, Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall und Bauchkrämpfe. Andere Krankheitsbilder könnten hier sein: Colitis Ulcerosa, Morbus Crohn und ähnliche Darmerkrankungen. 

Wie häufig ist die Erkrankung in Deutschland?

Laut Arztreport der Barmer liegt die belegte Erkrankungsrate im Jahr 2017 bei 1,34 %, was 1,11 Millionen Menschen entspricht. Dabei erkranken Frauen doppelt so häufig wie Männer. Im Jahr 2005 lag die Erkrankungsrate noch bei 1,03 %.

Die Dunkelziffer liege laut Barmer aber deutlich höher. Sie gehe von einer Erkrankungszahl von mehr als 10 Millionen Menschen aus. 

Behandlung von RDS

Dazu sollte man laut Prof. Dr. Joachim Szecsenyi den ganzheitliche Blick auf Körper und Geist richten. Ausschließlich Medikamente zu verabreichen sei falsch. So werden fast 40 % der Betroffenen Magensäure-Blocker verabreicht. Auch opioidhaltige Schmerzmittel werden häufig verordnet. Hier ist das Risiko, abhängig zu werden, aber unverhältnismäßig hoch. 

Internisten und Hausärzte sollen laut Szecsenyi enger mit Ernährungsexperten und Schmerztherapeuten zusammenarbeiten. Aber man sollte auch den psychischen Aspekt dieser Erkrankung mit in die Behandlung einbeziehen. 

Häufig gehen aber viele Jahre ins Land, bevor der Arzt die Erkrankung überhaupt diagnostiziert. Wenn man davon ausgeht, dass die Erkrankten auch schon einige Zeit darunter leiden, bevor sie überhaupt mit ihren Symptomen zum Arzt gehen, kann man sich den langen Leidensweg vorstellen. 

Diesen Bericht kann man aber auch kritisch sehen, denn die Symptome des Reizdarmsyndroms sind häufig sehr diffus und daher nicht nach einem Termin zu stellen. Ärzte gehen dabei oft und nachvollziehbar nach einem Ausschluss-Prinzip vor. Infolgedessen ist auch die Behandlung sehr individuell. 

Quellen: 

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-0029-1245976

https://www.barmer.de/blob/180716/d716a1cbc5eec45894a3f47b62145e5e/data/dl-arztreport2019-komlett.pdf