Diabetes Typ 2: Ist Insulin-Spritzen alternativlos?

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Die International Diabetes Federation nennt die Verbreitung von Diabetes „eine globale Epidemie“. Sie ist zwar nicht ansteckend, aber nicht nur in Deutschland nimmt der Anteil an Diabetes Typ 2 Erkrankten stetig zu. Früher noch einfach „Altersdiabetes“ genannt, tritt die Erkrankung heutzutage deutlich früher und auch insgesamt häufiger auf. In 2010 waren in der Gruppe der 18- bis 79-Jährigen etwa 7,2 % bekannt erkrankt. Man schätzt aber, dass weitere 2 % erkrankt sind. In absoluten Zahlen bedeutet dies: 4,6 Mio. Einwohner sind diagnostiziert erkrankt, weitere 1,28 Millionen wissen es noch nicht. 2016 stellte das Bundesgesundheitsministerium 3 Millionen Euro für Diabetes-Projekte zur Verfügung. Auf die Erkrankten gerechnet, entspricht dies ca. 50 Cent pro Jahr. 

Was sind erste Anzeichen der Zuckerkrankheit?

Wie das Informationsportal diabinfo berichtet, zählen folgende Symptome zu den Anzeichen der Zuckerkrankheit. 

  • Gesteigerter Durst
  • Erhöhte Urinausscheidung
  • Müdigkeit
  • Schwächegefühl
  • Antriebslosigkeit
  • Leistungs- oder Konzentrationsschwäche
  • Vergesslichkeit
  • Niedergeschlagenheit bis hin zur Depression
  • Sehstörungen
  • Häufige Infekte
  • Schlecht heilende Wunden
  • Trockene Haut

Wenn Sie ein oder zwei Anzeichen an sich selbst feststellen, muss das nicht bedeuten, dass Sie erkrankt sind. Erkennen Sie sich aber in mehreren Symptomen wieder, lassen Sie an mind. zwei Terminen bei Ihrem Arzt überprüfen, ob Ihr Blutzucker erhöht ist.

Blutzucker sollte laut Prof. Dr. Karl Hecht mehrfach am Tag gemessen werden, um sicher eine Diagnose aufzustellen. Wie der Arzt in einem Nebengespräch unseres Interviews über Mineralien erzählte, habe er selbst bei einem kleineren Eingriff im Krankenhaus eine Diabetes-Diagnose gestellt bekommen. Nachdem nur einmal gemessen wurde. Er wies die Krankenschwester an, später doch noch einmal zu messen. Dies bestätigte seine Vermutung: Kein Diabetes. 

Wie entsteht Diabetes mellitus Typ 2?

Damit Zucker aus dem Blut in die Muskelzellen gelangt, benötigt es einen Türöffner: das Hormon Insulin. Es wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet, sobald wir etwas essen, das Kohlenhydrate enthält, wie z. B. Kartoffeln, Nudeln, Brot und natürlich auch bei Obst etc. Bei gesunden Menschen öffnet das Insulin die Muskelzellen für den Blutzucker. Er gelangt in die Zelle und wird dort in Energie umgewandelt.

Diabetes Typ 2 entsteht am häufigsten bei übergewichtigen Menschen. Diese nehmen durch die Nahrung zu viel Fett und Kohlenhydrate auf. Dadurch sind die Zellen ständig satt und nehmen nur noch wenig Blutzucker auf. Dann schüttet die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin aus, um den Blutzucker doch noch irgendwie in die Zellen zu bekommen. Mit der Zeit haben die Zellen aber immer weniger Interesse am Insulin und ignorieren es. Es entsteht eine Insulinresistenz.  Hält diese Situation dauerhaft an, ist die Bauchspeicheldrüse überfordert. Ihre produzierenden Zellen nehmen Schaden und stellen in der Folge immer weniger Insulin her. Dauerhaft erhöhter Blutzucker ist die Folge. 

Was kann passieren, wenn Diabetes Typ 2 unerkannt bleibt?

Kurzfristig kann es der Körper kompensieren, wenn zu viel Zucker im Blut enthalten ist. Langfristig jedoch entstehen Schäden im Körper, denn der erhöhte Zuckergehalt fordert auch andere Organe heraus. 

Der Pschyrembel beschreibt eine ganze Reihe von Komplikationen:

Da die Nieren versuchen, einen Teil des Zuckers auszuscheiden, arbeiten sie auf Hochtouren. Durst und Harndrang sind die Folge. Nach einer gewissen Zeit können dadurch Nierenschäden entstehen.

Durch verschiedene Folgen können Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen. Bei Diabetikern verdicken häufig die Adern, sie sind weniger elastisch. Herzinfarkt oder Schlaganfall sind wahrscheinlicher. Auch die Durchblutung in den kleineren Gefäßen und Kapillaren wird erschwert. 

Innerhalb der ersten 15 Jahren entwickeln 30 % der Diabetiker eine Augenerkrankung, wie dem grauen oder grünen Star. 

Nervenschädigungen sind ebenfalls nicht selten. Dabei treten vermehrt Schmerzen in Fuß und Unterschenkel auf. Der diabetische Fuß ist dann eine Diagnose. Durch die schlechtere Durchblutung und den dauerhaften Entzündungszustand, den Übergewicht hervorruft, können hier schon kleine Verletzungen, hervorgerufen z. B. durch Nägelschneiden, zu einer ernstzunehmenden Entzündung führen. Daher wird Diabetikern immer empfohlen, eine professionelle Fußpflege zu beauftragen. 

Kann man sein Diabetes-Risiko aktiv senken?

Wenn man bedenkt, wie unsere natürlich Ernährung mit den Jahreszeiten aussehen würde, fällt auf, dass es Süßes, also zuckerhaltige Nahrung wie Obst, eigentlich nur ein paar Monate im Jahr gibt. Das ganze Jahr über also nach Belieben Zuckerhaltiges und Fettiges zu essen, kann unser Körper nicht dauerhaft aushalten. 

Essen Sie Zucker und gesättigte Fette in Maßen. 

Laut Prof. Jonathan Little treibt ein Frühstück mit vielen Kohlenhydraten – wie Brot, Müsli und Obst – den Blutzucker nach oben. Er fand heraus, dass Diabetiker, die morgens wenig Kohlenhydrate und stattdessen mehr Fett (wie z. B. Eier) aßen, keinen Anstieg des Blutzuckers hatten. Dies hielt sogar noch die nächsten 24 Stunden an. Auch das Verlangen nach Süßem entwickelte sich seltener. Der Professor leitet daraus ab, dass das vielleicht auch eine Strategie für nicht-Diabetiker sein könnte, weniger Zucker zu sich zu nehmen. Allerdings scheint diese Diät im Gegensatz zur häufig geforderten fettarmen Ernährung zu stehen.

Und wieder rückblickend auf unsere Ursprünge wird deutlich, dass Bewegung an der Tagesordnung war. Sie hat viele Vorteile: Energie wird verbrannt, Muskeln werden aufgebaut, die mehr Energie verbrauchen. Die frische Luft bringt Sauerstoff in Muskeln und Hirn. Unsere Laune verbessert sich. Vitamin D wird durch das Extra an Tageslicht produziert.

Wie Ibrahim Elmadfa in seinem Buch „Ernährung des Menschen“ berichtet, „zeigt Vitamin D auch Einfluss auf die Glukoseverwertung und die Insulinsensitivität […].“ Es wirkt entzündungshemmend, fördert den Muskelaufbau (je mehr Muskeln, desto mehr Zucker wird benötigt), und es bewirkt, dass die Zellen der Bauchspeicheldrüse mehr Insulin produzieren. 

Allein diese Punkte sollten schon dazu beitragen, dass sich das Gewicht ebenfalls verringert. Tut es das nicht, sollte man bewusst nachhelfen. Denn Übergewicht ist die Ursache Nr. 1 von Diabetes mellitus Typ 2. 

Welche Nahrungsmittel können blutzuckersenkend wirken?

Auch einige Nahrungsmittel können helfen, dass der Blutzucker sinkt.

In einer Meta-Analyse fanden Forscher heraus, dass Flohsamenschalen sich positiv auf den Blutzuckerspiegel auswirken. Zusätzlich quellen Sie stark auf, was einen gewissen Sättigungseffekt und daher zu einer geringeren Aufnahme von Kalorien führen kann. Dazu einfach einen Teelöffel Flohsamenschalen vor dem Essen in ein Glas Wasser geben und schnell trinken. Ansonsten wird es schnell fest und schwer trinkbar. 

1 Gramm Zimt am Tag soll laut mehreren Studien einen ähnlichen Effekt wie Insulin haben. So kann es den Zuckergehalt im Blut senken, wenn man es über ca. 6 Wochen lang täglich einnimmt. Und dieser Effekt hält sogar noch bis zu 3 Wochen nach der Einnahme an!

Ingwer scheint wirklich ein Alleskönner zu sein. Er wirkt nicht nur entzündungshemmend, sondern man sagt ihm auch eine anti-kanzerogene Wirkung nach. Zusätzlich soll er laut einer Studie auch die Zellen wieder sensibler für das Insulin machen. In der Folge nehmen sie wieder mehr Zucker aus dem Blut auf. 

Aber ohne eine Änderung des Lebensstils und der Ernährung können auch diese vielversprechenden, weil harmlosen Nahrungsmittel, nichts gegen eine Diabetes-Erkrankung ausrichten. 

Quellen:

https://service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/#!y=2010&a=18,80&v=2&g

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/gesundheitsgefahren/diabetes.html

https://diabsurv.rki.de/Webs/Diabsurv/DE/startseite/startseite-node.html

https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/typ-2-diabetes/auswirkungen-von-typ-2-diabetes.html

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26561625/

https://academic.oup.com/ajcn/advance-article-abstract/doi/10.1093/ajcn/nqy261/5435774?redirectedFrom=fulltext

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/14633804/

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4835984/

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4277626/

Elmadfa, Ibrahim und Leitzmann, Claus (2015): Ernährung des Menschen; Stuttgart (Hohenheim)

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