Zöliakie – Gefahr durch Gene oder Ernährung?

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Zöliakie
Oksana Kuzmina, Adobe Stock
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Zöliakie ist eine Erkrankung, die sich bei Betroffenen durch Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfälle äußert. Auslöser ist das Getreide-Klebereiweiß Gluten. Sie ist deutlich zu unterscheiden von einer Gluten-Unverträglichkeit, bzw. einer Glutensensitivität. Gluten ist in allen Getreidesorten enthalten, am meisten aber laut DGE in Dinkel, danach folgen Weizen, Roggen, Hafer und Gerste.

Bei der Zöliakie reagiert die Immunabwehr des Darmes so stark auf Weizen & Co., dass sich die Darmzotten verkürzen und sich dadurch die Oberfläche des Darmes deutlich verringert. Diese ist aber wichtig, um die Nährstoffe der Mahlzeiten richtig aufnehmen zu können. Bei Nährstoffdefiziten können dann wiederum Mangelerscheinungen und Folge-Erkrankungen auftreten. 

Schauen Sie sich auch unser Video zum Leaky-gut-Snydrom an.

Wenn man die Erkrankung aber frühzeitig diagnostiziert und die entsprechenden Nahrungsmittel meidet, kann man quasi beschwerdefrei leben. 

Liegt Zöliakie in den Genen?

Wie die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft erklärt, gibt es zwei Gene, die bei nahezu allen Zöliakie-Erkrankten vorhanden sind. Diese HLA-Gene befinden sich auf Chromosom 6. Bei den Erkrankten liegt auf diesem HLA-Gen entweder das Gen DQ2 vor – dies ist bei ca. 90 % der Fall – oder DQ8.

Allerdings entwickelt bei Weitem nicht jeder, der eines der beiden Gene besitzt, eine Gluten-Allergie.

Bisher ging man davon aus, dass 0,05 – 0,1% der Bevölkerung an dieser Immunstörung leidet. Ergebnisse der KiGGS-Studie lassen aber vermuten, dass die Anzahl zehnmal so hoch ist, nämlich bei ca. 1 % liegt. Viele davon haben aber untypische Symptome und keine Darmbeschwerden, sondern bspw. Konzentrationsprobleme oder Müdigkeit. 

Bekommen Kinder von erkrankten Eltern automatisch Zöliakie?

Nein. Ca. ein Drittel der Bevölkerung hat eines der betroffenen Gene, aber die Krankheit liegt nur bei ca. einem Prozent vor. Allerdings haben Kinder von betroffenen Eltern ein höheres Risiko, selbst auch zu erkranken.

Aber um den rasanten Anstieg der Autoimmun-Erkrankungen zu erklären, reichen diese Hinweise nicht aus. Daher haben sich Forscher auf die Suche nach Handfesterem gemacht. Sie fanden heraus, dass Kinder, die genetisch vorbelastet waren mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit an Zöliakie erkranken, wenn sie schon früh als Säugling und Kleinkind glutenhaltige Speisen zu sich nahmen.

Pro Gramm Gluten – dies entspricht einer halben Scheibe Weißbrot oder 75 g gekochter Pasta – erhöhte sich das Risiko um 30 %. In den ersten zwei Lebensjahren erhöhten 2 g Gluten pro Tag das Erkrankungsrisiko sogar um 75 %!

Eine weitere Studie soll diese Ergebnisse nun umgekehrt bestätigen: Genetisch vorbelastete Kinder werden keine glutenhaltigen Speisen mehr erhalten oder nur sehr gering. 

Schützen Sie Ihre Darmwandbarriere und die Ihrer Kinder.

Quellen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26356552

https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2747670

https://www.dzg-online.de/homepage.1.0.html